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Druckgussindustrie: Erneuter Aderlass oder vorsichtige Erholung?

 
Impressionen von der Euroguss 2010
 
Die metallverarbeitende Industrie hat zweifellos schon bessere Zeiten erlebt. Doch jene, die glaubten, die Euroguss würde darunter leiden und zu einer tristen Veranstaltung werden, sahen sich getäuscht: An der grössten internationalen Fachmesse zum Thema Druckgiessen war neben gesundem Realitätssinn eine erstaunliche Lebendigkeit zu spüren.

Achillesferse Automobilmarkt

Bereits im Vorfeld war klar, dass auch die diesjährige Euroguss ganz im Zeichen des globalen Abschwungs und der Krise auf dem Automobilmarkt stehen würde. Dies nicht ohne Grund: Noch immer gehen rund 75 Prozent der Druckguss-Erzeugnisse an die Fahrzeughersteller, wie Gotthart Wolf, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Giesserei-Industrie (BGD), der Presse erklärte.

Zwischen Januar und Oktober 2009 fiel die Druckgussproduktion in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ganze 36 Prozent - trotz Abwrackprämie und einem erhöhten Fahrzeugabsatz. „In der automobilen Mittel- und Oberklasse wird der Markt auch nicht überproportional zulegen und der Nutzfahrzeugbedarf ist drastisch eingebrochen. Diese Märkte werden stagnieren; hier ist kaum ein Sonnenstrahl für 2010 zu erkennen“, dämpfte Gerhard Eder, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Druckgiessereien (VDD) etwaige Erwartungen.

Zweitbeste Euroguss

Doch weder die Veranstalter noch die Aussteller liessen die Köpfe hängen: Schon am Morgen des ersten Messetags herrschte in beiden Hallen emsiges Treiben. Neben den grossen Namen waren diesmal auffällig viele kleinere Druckgiesser, Maschinenbauer und Zulieferer der Giessereibranche vertreten.

In Anbetracht des schwierigen Marktumfelds konnte die Nürnberg Messe GmbH durchaus erfreuliche Zahlen vorlegen: Gegenüber 2008 verzeichnete sie für die Euroguss zwar einen Rückgang bei den Ausstellern und der genutzten Fläche, trotzdem ist die diesjährige Veranstaltung die zweitbeste seit ihrer Premiere 2004.

Erstmals erhielten dieses Jahr kleine Unternehmen mit 50 oder weniger Mitarbeitern finanzielle Unterstützung vom Ministerium für Wirtschaft und Technologie zugesprochen; erfolgreiche Bewerber durften zu vergünstigten Konditionen ausstellen. Wie bereits 2008 konnte sich zudem das Fachpublikum im Rahmen des 10. Internationalen Deutschen Druckgusstags in zahlreichen Vorträgen über spezielle Aspekte beim Druckgiessen von Aluminium und Magnesium informieren.

Des einen Leid, des anderen Freud

Natürlich war die Stimmung unter den Ausstellern mit der Euphorie von 2008 nicht vergleichbar. Wer nicht ausschliesslich für die Automobilindustrie, sondern auch für die Elektronik- oder Möbelindustrie produzierte, wie die PDR Roding, die zu 30 Prozent den Heizungsmarkt beliefert, den traf die Krise häufig weniger hart.

Viele Unternehmen stellten in den letzten Monaten des vergangenen Jahres eine Stabilisierung oder gar deutliche Verbesserung der Marktlage fest. So auch die ae Group, die von Juli bis Dezember auf dem Sterbebett des Konkursverfahrens lag.
Nachdem die Gläubiger einem Insolvenzplan zustimmten, konzentriert sich das Unternehmen nun vorrangig auf den Standort in Untersuhl, die Leicht-
metallbearbeitung lagert man nach Polen aus. Pressesprecherin Andrea Meister bestätigte vorsichtig den Aufwärtstrend: „Wir haben mehr Neuaufträge, es geht langsam und stetig bergauf. Nicht mehr so schnell wie vor dem Einbruch, aber dies wäre auch nicht gesund.“

Starke Messe – verunsicherte Industrie

Die diesjährige Euroguss setzte ihren Erfolgskurs fort und bestärkte Nürnberg als wichtigen Standort für Industrie-Fachmessen. Die Attraktivität der Stadt, ihre sehr gute verkehrstechnische Erschliessung und Infrastruktur lassen erwarten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Etwas unsicherer blicken die europäischen Druckgiesser in die Zukunft. Die bis vor Kurzem beispiellose und von keinem anderen Giessverfahren erreichte Dynamik wird so schnell nicht zurückkehren, ist sich Gerhard Eder vom VDD sicher: „Bei optimistischer Sichtweise geht unser Verband davon aus, dass sich der Gusszuwachs im laufenden Jahr bei günstigstenfalls etwa zehn Prozent stabilisieren kann.“

Doch auch bei einer Rückkehr der Nachfrage bleiben Schwierigkeiten: hohe Personalkostenanteile, kontinuierlich steigende Energiekosten sowie hohe Preise beim Primär- und Sekundäraluminium. Nicht zuletzt China, der inzwischen drittgrösste Exporteur von Druckgiessmaschinen. Man darf gespannt sein, wie die europäische Druckgiessindustrie auf diese Herausforderungen reagiert.
 

(bdo)


 

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Erfolgreiche Messe: Trotz Wirtschaftskrise gute Zahlen.
Quelle: NürnburgMesse GmbH
 





VDD-Chef Eder: „Diese Märkte werden stagnieren.“
Quelle: NürnburgMesse GmbH
 
















Türinnenrahmen aus Aluminium-Druckguss
Filigrane Technik: Türinnenrahmen aus Aluminium-Druckguss
Quelle: Alu-Scout®
 





Euroguss - Ausstellerstand
Reges Interesse: Besucher der diesjährigen Euroguss
Quelle: Alu-Scout®
 


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